Dienstag, 23. september 2008 2 23 /09 /2008 14:19
Ich bin ein unhöflicher Mensch, es wäre sinnlos dies zu leugnen. Es gibt allerdings verschiedene Arten des unhöflich Seins. Manche Menschen sind unhöflich indem sie sich an der Kasse vordrängeln, wieder andere nehmen einem die Vorfahrt, ich persönlich sage offen, was ich denke. Richtig gelesen, ich bin ein solcher Egoist, dass mir meine Meinungsfreiheit wichtiger ist als die Gefühle Anderer, die ich verletzen könnte.

Wie es scheint (und ehrlich gesagt bin ich irritiert, dass es so lange gedauert hat), bin ich mit meinem Blog einem Pastor auf die Füsse getreten, dessen Blog ich ehrlich gesagt als so inhaltsleer wie seinen Glauben empfinde. Sein Kommentar ist jedenfalls mal wieder das übliche Geseiere, dass Atheismus lediglich eine andere Form der Religion sei (ja klar, mein Hobby besteht übrigens darin, keine Briefmarken zu sammeln) und man sich als nichtgläubiger Mensch doch bitte in ein bisschen mehr Zurückhaltung und Toleranz üben sollte.

Toleranz bedeutet Dinge zu akzeptieren, obwohl man sie persönlich ablehnt. Das Christentum ist eine der verwerflichsten Religionen, die ich kenne und als solche völlig inakzeptabel. Der Verweis darauf, dass Kreuzzüge, Hexenverbrennung, etc. Fehler der Vergangenheit sind und Fundamentalisten wie die amerikansichen Kreationisten doch bitte ignoriert werden sollen, weil sie die Religion in einem schlechtem Licht erscheinen lassen ist lediglich lächerliches PR. Makeup Christentum ist was Christen tun. Die Grundlage einer Gruppenzugehörigkeit ist nunmal das Gemeinschaftsprinzip.
Was bedeutet es nun tolerant gegenüber Religion zu sein? Zunächst einmal bedeutet es Toleranz gegenüber notorischen Lügnern und Betrügern zu zeigen. Selbst nach 2000 Jahren hat es das Christentum nicht geschaft auch nur einen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz Gottes hervorzubringen (ein Fussballstadion voller Christen, das erfolgreich dafür betet, dass einem Atheistem ein verlorenes Körperteil nachwächst wäre z.B. ziemlich überzeugend). Lediglich um das Erfinden von Ausreden, warum sich das Hirngespinst nicht beweisen lässt sind die Anhänger dieser Religion nicht verlegen. Nichtsdestotrotz wird natürlich trotzdem mit dem Glauben haussieren gegangen und aus der Luft gegriffene Behauptungen als unumstössliche Wahrheiten (im wahrstem Sinne des Wortes)  verkauft. Jemals in Köln gewesen? Schonmal über das Wahrzeichen dieser Stadt nachgedacht? Die Kosten, die der Bau verusacht hat? Die Tatsache dass das Fundament auf den Erzählungen eines Ziegenhirten namens Abraham beruht, der in einer Wahnvortstellung fast seinen eigenen Sohn getötet hätte?

Nun, was ist schon eine Lüge, wenn man lediglich sich selbst belügt? Wem ausser sich selbst schadet man schon damit, wenn man mal ein bisschen an der Waage dreht, damit sie 5 Kg weniger anzeigt oder sich ständig einredet, man könne jederzeit mit was auch immer aufhören, wenn man nur wollte, man will halt nur nicht? Was ist schon so schlimm daran, sich einen imaginären Freund einzubilden, der einen auf Schritt und Tritt überwacht und will dass man bestimmte Dinge tut und lässt? Die Antwort ist einfach: Religion ist keine persönliche Angelegenheit. Glaube will verkündet werden und das Christentum (genau wie der Islam) ist aggressiv in seiner Expansionspolitik. Reicht man diesen Religionen auch nur den kleinen Finger, sehen sie das als Einladung gleich den ganzen Arm zu nehmen. Wäre das so schlimm? Nun, schauen wir uns mal einige christliche Wertvorstellungen an:

Gleichberechtigung

Was die Bibel so über das Verhältnis zu Mann und Frau zu sagen hat kann man z.B. hier nachlesen (leider nur auf englisch). Zur Erinnerung: Die Bibel ist die Grundlage des christlichen Glaubens und auch wenn einige Christen mittlerweile erkannt haben, dass die offene Unterdrückung von Frauen nicht mehr gesellschaftsfähig ist, spielt das weibliche Geschlecht nach wie vor immer noch eine untergeordnete Rolle. Ein Zustand der sich auch nicht ändern kann, ohne das große Teile der Lehre in Frage gestellt werden müssen. Nach christlicher Vorstellung gesellschaftlichen Lebens besteht die Rolle der Frau in etwa aus Kind, Küche und Waschmaschine.

Sexualität

Oh Hilfe, Teufelswerk! Frauen sollen gefälligst jungfräulich in die Ehe gehen, das ist ein altbewährtes und erprobtes Mittel um sicher zu stellen, dass dem Mann kein Kuckuckskind untergeschoben wird. Schwangerschaftstests und Verhütungsmittel gabs zu Abrahams Zeiten noch nicht, warum sollten wir ausgerechnet jetzt damit anfangen? Was kommt als Nächstes? Leute die sich selbst befriedigen, ohne dass sie davon nen krummen Rücken oder Haare auf der Handfläche kriegen? Womöglich sollen wir unsere Kinder am Ende auch noch aufklären?
Zugegeben, die Kirchen sind hier in den letzten Jahrzehnten aufgrund massiven Druckes wesentlich freizügiger geworden. Nichtsdestotrotz ist Körperfeindlichkeit im Kern der Religion verankert, schmutzig und etwas wofür man sich schämen sollte. Ich habe ernsthaft kein Verständnis für Leute, die widernatürliches Verhalten predigen. Als kleiner Tip: kath. Priester leben im Zöllibat, d.h. einem Zustand völliger sexueller Unterdrückung. Schonmal darüber nachgedacht, warum von allen christlichen Glaubensausrichtungen immer nur die Katholiken Probleme mit sexueller Perversion (Missbrauch von Kindern) haben?

Abtreibung

Ich habe schon viel mit Abtreibungsgegnern "diskutiert". Üblicherweise endete es damit, dass Schwangerschaftsabbruch mit dem Holocaust und ich folglich mit einem Nazi verglichen wurde (die Begriffswelt von sogenannten Lebensschützern ist nunmal nicht die Ausgeprägteste). Praktisch immer stellte sich heraus, dass die Ablehnung von Abtreibung und die Forderung, diese gesetzlich zu verbieten auf religiösen Lehren aufbaute. Unnötig zu sagen, dass solche Behauptungen wie "es ist ein Mensch von der Befruchtung an" biologisch nicht haltbar sind und nur von einem Kleingeist aufgestellt werden können, dessen begriffliches Denken über schwarz und weiss nicht hinaus reicht. Mir fehlt es an der Einsicht, warum wir das Leben tatsächlich existierender Menschen zerstören sollten, nur damit ein paar Hohlköpfe ihren Seelenfrieden haben.



Dies waren soweit drei Beispiele für den Schaden, den das Christentum unserer Gesellschaft zufügt. Besagte Religion steht für Unterdrückung, sie baut auf Lügengespinsten und bewusster Fehlinformation auf. Christen schrecken nicht vor Erpressung und Einschüchterung ("Glaub an Gott, oder du kommst in die Hölle!") zurück. Auch Gruppenzwang ist ein gerne eingesetztes Mittel (schonmal darüber nachgedacht, wieviele Eltern ihre Kinder taufen lassen, nur damit sie nachher keine Schwierigkeiten bekommen?).
Und dies soll ein Verhalten sein, welches ich tollerieren soll? Ich habe keine Probleme damit, wenn jemand sein Leben nach seinem persönlichem Hirngespinst ausrichtet. Wer an das Loch Ness Monster oder den Yeti glauben will soll glücklich damit werden. Von mir aus können Leute auch den Mond anheulen, Mistkäfer anbeten oder sich irgendwelche Steine unters Bett legen um negative Energien aufzusaugen. Das alles kümmert mich nicht. Womit ich allerdings ein Problem habe ist, wenn Menschen sich in mein Leben einmischen und erwarten, dass ich es nach ihren Phantasien und Vortstellungen ausrichte. Genau dies ist es allerdings, was Christen tun.
von Anna - veröffentlicht in: allgemein - Community: Atheist
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